Wildenthal (735 m ü. NN, 335 Einwohner) gilt als schönste

und älteste Sommerfrische des Erzgebirges und ist ein  Luftkurort.

Forst- und Bergleute, die Zinn und Silber schürften, pflegten und gestalteten

in Hunderten Jahren eine von Natur aus herrliche Landschaft.

Wildenthal ist der erste und einer der schönsten Erholungsorte in Westerzgebirge.

 

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Die Geschichte


Der Ort ist, wie der Chronist Oettel 1748 meldet,
„aus rauher
Wurzel erbauet und zwar von dem Herrn Grafen Anarch Friedrich, Herrn zu Wildenfels und Hauptmann des Vogtländischen Kreises, und der Name Wildenthal gegeben worden - weil dieses der jüngste Hammer ist, so wird er noch jetzo der Neue Hammer genennt - und gibt itzt in der Viehzucht keinem nichts nach, vielmehr ist dieses der beträchtlichste und von einer großen Anzahl Menschen bewohnte Hammer. Er liegt an der großen Bockau und hat die schönsten Eisenzechen in der Nähe.
Im Jahre 1598, den 10. September, ist auf Kurfl. gnädigste Befehliche dem Herrn von Wildenfels, von denen darzu verordneten Herrn Kommissarien
dieses Hammerwerk zu bauen, nebst selbigen Refieren eingeräumt und erblich angewiesen worden."

 

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Wahrscheinlich reicht unsere Geschichte noch viel weiter zurück. Da Eibenstock kurz vor 1200 (erste urkundliche Erwähnung 1378) gegründet wurde, ist anzunehmen, dass Wildenthal bereits vorher bekannt war.
In Eibenstock wurde Zinn, und zwar das beste Zinn und Eisen geschürft und verarbeitet. Da die meisten Zechen am Auersberg waren, wird auch die Gegend von Wildenthal frühzeitig bekannt gewesen sein.
Überall am Auersberg zeugen tiefe Bingen, hohe Bergbauhalden, alte geheimnisvolle Stolleneingänge und langgestreckte niedere „Reithalden" der Zinnseifen von alter Erzgewinnung. Im ganzen sollen es ca. 300 Bergwerke am Auersberg gewesen sein. Als ältestes Bergwerk wird die „Bärenzeche" bezeichnet.
Erwähnt sei als Argument die Gebirgspässe in unserer Nähe z.B. den Frühbusser Pass und Hirschenständer Pass. Sie liegen auf alten Handelsstraßen, die durch den Miriquidi (Dunkelwald) über den Erzgebirgskamm führten.

 

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Aber trotz aller Vermutungen und mehr oder minder verdeckten Hinweisen gibt es halt keine gesicherten urkundlichen Eintragungen. Deshalb gilt die Eintragung zum 10. September 1598 als die Geburtsstunde unserer Gemeinde. Vielleicht gelingt es eines Tages dem Chronisten Zufall nachzuweisen, dass wir heute gewissermaßen mit unserem Alter kokettiert, dass wir - wer weiß - vielleicht ein paar Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte unseres Alters einfach unterschlagen haben.
Der Gründer unseres Ortes, Anarch Friedrich von Wildenfels, verkaufte schon 1611 das Werk an Wilhelm Friedrich von Milkau, dem Besitzer des Edelhofes Alberoda. Aber auch dieser gab, bald nach Erhalt eines Privilegs, den Hammer an den Schneeberger Zehntner Jacob Seeling ab. Als Pächter erscheint später Hieronymus Müller von Berneck, der zeitweise auch den Auerhammer leitete.
1647 verkauften die Gebrüder Helfrich Wildenthal für 3300 Gulden an Michael Gottschaldt, dieser erbaute einen zweiten Stabhammer und erwirkte 1655 ein neues Privileg. Darin wird auch ein Hochofen, ein Blechhammer und ein Zinnhaus bewilligt.

In der Urkunde vom 25. August 1655 heißt es weiter:
„Von Gottes Gnaden, Wir Johann Georg I, Kurfürst von Sachsen... solchem seinem Suchen stattgeben, dass er Schlachten, Brauen, Backen, Schenken gegen Entrichtung der gewöhnlichen Trank- und Fleisch- Pfennigsteuer..." darf.

 

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Damit entstand wohl das Brauhaus, das lange Zeit neben Drechslers Hotel stand und von dem heute noch ein Keller existieren soll.
Übrigens ist es derselbe Kurfürst Johann Georg, der beeindruckt von der Schönheit des Berges und seiner herrlichen Rundsicht einen Holzturm auf dem Auersberg errichten ließ.
Michael Gottschaldt sagt von sich, er habe bis 100 000 Gulden ins Bergwerk gesteckt und in 11 Jahren über 7 000 Gulden Amtsabgaben bezahlt. 1656 wird Wildenthal unter den Werken genannt, die Eisen für den Marstall nach Dresden zu liefern haben. 1658 ist es mit Abgaben an das Amt Schwarzenberg rückständig. Viele Akten handeln von Holzschlag und Geleit. Eine Notiz von Magister Christian Lehmann im „Historischen Schauplatz..." verrät uns auch den volkstümlichen Spitznamen von Michael Gottschaldt:

 

Holzmichel, der Hammerherr von Wildenthal, hält seinen Kindern einen Studiosus als Präzeptor."

So ist wohl dieser Gottschaldt einer der berühmtesten Wildenthaler - eben „dr Holzmichel".


In den Händen der Familie Gottschaldt blieb Wildenthal, mit kurzer Unterbrechung um das Jahr 1780, bis nach 1820. Im Jahre 1812 waren 26 Arbeiter hier beschäftigt.
1830 bestand das Werk aus 2 Frischfeuern, einer Zainhütte, einer Blechhütte und wurde von 5 Meistern geleitet.
1835 kamen ein Blechwalzwerk und eine „neuartige" Nagelfabrik - die allererste Nagelfabrik Sachsens dazu.

1836 geht Wildenthal an Herrn von Querfurt auf Schönheiderhammer über. In deren Besitz blieb wohl das Hammerwerk bis zu dessen Niedergang.
In diesem Zusammenhang seien Legenden erwähnt, die sich um die Gruft auf dem Friedhof in Wildenthal ranken.
Die mündliche Überlieferung sagt dazu Folgendes:

1. Herr Alexander Wiesner - Gesandter - der auf dem Weg nach Karlsbad war, soll hier tödlich vom Pferd gestürzt und mit seinem Pferd beigesetzt worden sein.

2. Der mittlere Sohn der Frau von Stein - Geliebte des Johann Wolfgang von Goethe - sei hier bestattet. Er war Mitglied des Hofes in Weimar und soll während einer Reise nach Karlsbad hier verstorben sein.

3. Soll es die Gruft des letzten Hammerherrn zu Wildenthal, Arbat Edler von Querfurth sein. Er ist wohl um 1835 beim Ritt zum unteren Hammerwerk (später Holzschleiferei, dann Ferienlager Trebsen) verunglückt. Als sein Pferd durch Sonnenspiegelung eines plötzlich durch Luftzug aufschlagenden Fensters scheute, stürzte er tödlich.

Soviel zu den mündlichen Überlieferungen.


Aus einer Textquelle, dem Totenregister des Pfarramtes von Eibenstock, geht jedoch hervor:

„gestorben am 16. September 1871, 43 Jahre, 7 Monde, 22 Tage
Edler Karl Thorso von Querfurth
bestattet am 20. September in Wildenthal"

und
„Alexander Wiesner, gestorben 24. Februar 1879, bestattet am 27. Februar 1879. Bruder der Frau des Edlen von Querfurth".

 

Wahr ist aber auch, dass Ernst von Stein, der mittlere Sohn der Charlotte von Stein, der langjährigen Freundin Goethes, während seiner Reise nach Karlsbad im Herrenhaus zu Wildenthal in der Nacht zum 14. Juni 1787 stirbt. Er wird von Christian Gottlieb Gottschaldt, einem Nachfahren des Holzmichels, in der Familiengruft in Eibenstock beigesetzt. Charlotte schreibt am 27. Juni 1787:

„Ein Traum, den ich vor mehr als 17 Jahren hatte, ist mir in Wildenthal, wo Ernst starb, eingetroffen."

 

Eine „traumhafte" Liebesnacht erlebte hier auch J.W.v.Goethe während einer seiner zahlreichen Fahrten nach Karlsbad. Ein Schaden an der Kutsche nötigte ihn zur Einkehr im damaligen Wildenthaler Gasthaus. Die hübsche Nichte des Wirtes hatte es ihm gleich angetan und so nahm alles seinen Lauf - doch anders als gedacht. In seinem erotischen Gedicht „Das Tagebuch" (1810) - damals stand es „auf dem Index" - schildert er ein amouröses Abenteuer mit der jungen Wildenthalerin, bei der er nicht zum Ziel kam; aber es lag nicht an ihr:

 

„Verfluchter Knecht, wie unerwecklich liegst du!

Und deinen Herrn ums schönste Glück betriegst du..."

 

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1848 schildert Johann Traugott Lindner in seinen „Wanderungen durch das Sächsische Obererzgebirge" unseren Ort folgendermaßen:
„Tief, aber immer noch in einer Meereshöhe von 2250 Fuß eingebettet, liegt das Eisenhüttenwerk gleiches Namens in der Umarmung des Auersberges und des Zeisiggesanges.
Die große Bockau durchrauscht das Oertchen, dreht das gangbare Zeug in Hütten und Hochofen, sendet von hier aus seinen halben Wasserschatz mittelst des sogenannten Grünergraben für ökonomische Zwecke nach Eibenstock, während die andere Hälfte in seiner engen Wiege über Granitblöcke hinab nach Unterblauenthal in die Mulde strömt . . . . Das Herrenhaus in Wildenthal schaut von einer Anhöhe, wie sich's gebührt, überlegen auf eine Schaar ärmlicher Hütten hernieder, zwischen welche sich ein jedoch seit mehreren Jahren ein freundliches Posthaus sowie ein restauriertes Wirtshaus eingeschoben haben. Man sieht es diesen Gebäuden an, daß sie in Privathänden sind. Überraschend ist das fiscalische Forsthaus, im italienischen Styl vor ungefähr ein Dutzend Jahren erbaut (1834)."
Weiter schreibt er: „Das Ortchen hat seit etwa 20 Jahren an seiner Wildheit gar sehr verloren: es führt eine Chaussee nach Karlsbad hindurch, die in der Badesaison sehr lebendig wird; der Besitzer des Werkes und noch einige andere Einwohner sind theils wisenschaftlich gebildet, theils sonst gut unterrichtet, was zur sittlichen Abrundung der geistesarmen Bevölkerung der Vergangenheit viel beitragen mußte und sich auch jetzt schon dadurch kund giebt, dass man gern aus der Nachbarschaft Parthien dahin macht und sich von der wildromantischen Natur umarmen läßt, Kaffee trinkt und Forellen speis´t."

 

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1860 kam als erster Sommergast der Theologe und spätere Professor für Geografie an der Universität Leipzig,
Dr. Otto Delitsch, nach Wildenthal.
Seine Aufsätze über das Erzgebirge haben den weiteren Reise- und Wanderverkehr des Erzgebirges wesentlich gefördert. Ihm zu Ehren ist 1906 ein Gedenkstein gegenüber dem Hotel
„Am Auersberg" (Hotel Drechsler) errichtet worden.
Wildenthal ist die erste und eine der schönsten Sommerfrischen des westlichen Erzgebirges. „Herrlicher Luftkurort und Wintersportplatz" wirbt ein Prospekt aus den 1930er Jahren.
Der wachsende Fremdenverkehr brachte Ende des 19. Jahrhunderts ein völlig anderes Leben in das Dorf.
Viele Wildenthaler richteten sich zur Aufnahme von Sommer- später auch Wintergästen ein.
Erwähnt seien die zwei stattlichen Gasthäuser - Drechslers Hotel am Auersberg und Gnüchtels Hotel zur Post - heute Hammerschänke, bis 1911 auch die Pension Meichsner im ehemaligen Herrenhaus.

 

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Viele Häuschen wurden neu erbaut oder erweitert.
Im Dezember 1877 machten die Schneeberger Seminaroberlehrer Dr. Köhler und Möckel, der Ratsoberförster Arnold und der Baumeister Görling wieder mal eine Schlittenfahrt durch das Auersberggebiet. Fasziniert vom Reiz der tiefverschneiten Wälder, beschlossen sie bei der Einkehr im Drechslers Gasthof in Wildenthal, für das Erzgebirge einen Heimat- und Wanderverein zu gründen. Am 5. Mai 1878 wurde dann der Erzgebirgsverein in Aue gegründet.
Gerade in Wildenthal ist der Erzgebirgsverein sehr rege gewesen und das hängt wohl auch mit unserem Hausberg, dem Auersberg zusammen. 1019,1 m hoch, auf alten Ansichtskarten werden
1020 m angegeben, ist er der zweithöchste Berg des sächsischen Erzgebirges und der dritthöchste der neuen Bundesländer.

 

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Noch um 1800 galt ein Aufstieg auf den Auersberg als ein Abenteuer. Ein Holzgerüst auf der Höhe konnte auf die Dauer nicht befriedigen. So entschloß sich 1869 die Königlich Sächsische Landesforstverwaltung, Granitsteine auf den Berg zu bringen und daraus einen Steinturm fügen zu lassen. Im Anzeigeblatt Eibenstock vom 16.10.30 wird im Artikel „Ein Wächter der Heimat" als Baujahr 1860 genannt. Wann und wo der Zahlendreher entstanden ist, weiß ich nicht. Auf jeden Fall sollte er zunächst in erster Linie zur Waldbrandüberwachung dienen.
1901 wurde der Turm, wohl auch weil er den Anforderungen nicht mehr genügte auf seine jetzige Höhe (18m) aufgestockt. 1940 bekam er schließlich eine hölzerne Haube.

 

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In einer Anzeige Anfang des 20. Jahrhunderts heißt es: Der Turm ist während der Reisezeit Sonn- und Wochentags geöffnet. Eintritt 20 Pfennige. Turmwärter Heidel in Wildenthal."
Durch diesen Turm wurden viele Wanderer angelockt, diese wurden mit Speisen und Getränken versorgt, wochentags durch die Familie Heidel (Heydel) und sonntags sowie feiertags durch die Familie Schneidenbach.
Die Verpflegung wurde mittels Tragkorb hinaufgetragen. Die Überreste wurden in einer ausgebauten Erdgrube aufbewahrt, die geheim gehalten wurde.
1907 wurde dann endlich dem Ansinnen des Erzgebirgsverein stattgegeben und am 9. November 1907 war dann in der Presse zu lesen: „Ergebene Einladung zur Weihe des Auersberghauses , Sonntag, den 10. November, von 11 Uhr ab, verbunden mit Konzert..."

 

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Am 3. Juli 1908 kehrte auch Seine Majestät König Friedrich August von Sachsen in das gastliche Haus ein.

 

„Der Blick vom Turme aus war prächtig... ,Der herrliche Wald!' , rief er aus, als er das dunkelgrüne Meer vor sich sah",

 

berichtet das Anzeigeblatt am 05.08.1908. Genau wie er erklommen viele Wanderer und Heimatfreunde in dieser Zeit den Berg, so dass der Zuspruch größer war als man erwartet hatte. So wurde 1914 das Unterkunftshaus erweitert. Vielleicht auch weil der deutsche König, der am 24.08.1912 in Wildenthal war, über die räumliche Enge des Hauses erzürnte.
Übrigens hat er sich in Wildenthal ganz unflätig benommen und in aller Öffentlichkeit bei der Schmiedbrücke einfach an ein Wagenrad „gelollt" , wie die Erzgebirger sagen.
In den Jahren 1992 -94 wurde der Turm und das Auersberghaus saniert.
Zur Belebung des Fremdenverkehrs hat wohl auch die Wiedereinrichtung des Postkutschenbetriebes durch die Deutsche Reichspost gedient.
Sie befuhr Ende der 1930er Jahre ein Teilstück der 1698 eingerichteten Postkutschenverbindung zwischen
Leipzig - Schneeberg - Wildenthal - Karlsbad und machte bei Drechslers Gasthof zur Post Station.

Die Tagespresse berichtet im August 1938:
„Das war eine Begeisterung, als die wiedererstandene Postkutsche Anfang dieser Woche ihre erste Probefahrt unternahm, vom Radiumbad Oberschlema in das Auersberggebiet. Die herrliche gelbe Kutsche mit vier Rappen ... . Gemächlich soll man wieder einmal durch das Land fahren ..., wie Weiland der Geheimrat von Goethe ..., die Schönheiten nahe am Rande des Weges und in der Ferne in aller Ruhe genießen ... und Wege soll man fahren, die dem Auto verschlossen sind."

 

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Dass unsere alte Poststraße nach Karlsbad dem Automobilverkehr nicht verschlossen blieb, dafür hatte im März 1939 der Winterdienst ganz schön zu tun. Wie übrigens auch heute noch – nur die Technik änderte sich.

 

16. März 1939 – 16-Spänner 13. März 2006 – 350 PS

Stephan Dietrich, genannt Saafnlob, ein bekannter Heimatdichter und Mundartsprecher des Erzgebirges im 20. Jh., war hier in der nach seinen Vorstellungen 1939/40 erbauten Schule als Schulleiter tätig.

Ein lang gehegter Wunsch, den uns seine folgenden Worte verraten, ging mit seinem Einzug in das mit der Grenzlandschule gebauten Lehrerhaus am 19. August 1940 in Erfüllung:

Ich brauchet wetter garnischt auf der Walt. Kaa Auto, kaa groß Ageziehg, kaa Gald. Bluß a klaa Heisel ach dos wär schuh schie. Dos mißt racht aasam uhm am Waldrand stieh.

Zum Wildenthaler Hammerfest 2003 wurde das heutige Haus des Gastes, in dem sich früher die Schule befand, auf seinen Namen geweiht.

Stephan Dietrich 1941  Richtfest am 14. August 1939                                               Unsere alte Schule mit den Haamit-Stuben, heute wie damals das kulturelle Zentrum.

Zur Freude der Wildenthaler und ihrer zahlreichen Urlaubsgäste wurde so mancher lustiger Schwank aufgeführt.

Vom 2. Weltkrieg blieb unsere Ortschaft weitestgehend verschont. Auf dem Auersberg wurde eine Flak-Stellung errichtet und zum besseren Schutz des Luftraumbeobachtungspostens vor widrigen Witterungseinflüssen erhielt die Aussichtsplattform des Turmes 1940 ihre hölzerne Haube.

Unmittelbar nach Kriegsende gehörten wir zur so genannten Freien Republik Schwarzenberg, das heißt unser Gebiet war militärisch nicht besetzt. Mal ließen sich die Amerikaner und dann wieder die Russen sehen. Aber es gab wohl nichts zu holen und für das liebliche Tal hatte man damals keinen Blick.

Schließlich wurde unser Gebiet doch der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zugeschlagen.

Wohl im Tausch gegen einen Teil von Berlin, da die Russen hier große Uran-Vorkommen vermuteten und dann auch tatsächlich um Schlema und Johanngeorgenstadt förderten.

Ehemalige Wismut-Kumpel sagen, dass die erste sowjetische Atombombe mit Uran aus dem Auersberggebiet gebaut worden sei.

Passierschein für das Fuhrgeschäft R. Siegel (heute – Taxi- und Fuhrunternehmen J. Meysel), ausgestellt im Auftrag der sowjetischen Militäradministration, 1948:
Vorderseite Rückseite

Einen weiten Blick wollte sich das Ministerium für Staatssicherheit der DDR vier Jahrzehnte später verschaffen und so wurde ab August 1983 die beschauliche Atmosphäre auf unserem Auersbergplateau gestört. Das MfS entschloss sich zur Errichtung einer Radarstation etwas unterhalb des Gipfels. Der Bau des Betonklotzes dauerte bis November 1985 und wurde fortan aufgrund der Kuppel im Volksmund „Stasi-Moschee“ genannt. Als nach der Wiedervereinigung Pläne unserer Gemeinde Wildenthal zur Umnutzung als Stasi-Museum oder auch als Jugendherberge scheiterten, ließ in den 1990er Jahren die Deutsche Flugsicherung GmbH Offenbach das Gebäude aufstocken und nutzt es seitdem.

  

Nach 1945 hatte Wildenthal oftmals mehr Feriengäste als Einwohner. Während zunächst der Dorfklub ein reges sportlich-kulturelles Leben organisierte, übernahm später der FDGB-Feriendienst diese Aufgabe. Heute wird diese Arbeit durch den Heimatverein Wildenthal fortgeführt. 1965 erhielt der Ort, als einer der ersten im Erzgebirge das Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“.

9. Juli 2005 – Heimatverein, Festumzug zur 850-Jahr-Feier von Eibenstock

30. April - Hexenfeuer

Januar/ Februar 2006 – Fackelwanderung

1. Juni - Kindertag

 

2. Wochenende im August - Hammerfest:

         

 

Die sich im alten Park des Herrenhauses von Wildenthal befindliche Ortspyramide, ist mittlerweile wohl eine der ältesten im Erzgebirge.

Errichtet wurde sie 1961 in VMI. Die Volkswirtschaftliche Masseninitiative (VMI) war eine Form der freiwilligen, oft in kleinen Gruppen unbezahlt durchgeführten Arbeit in der DDR, die in der Freizeit stattfand und u.a. der Verschönerung der Wohnumgebung diente.

Das dafür notwendige Gestell wurde auf einem Granitsockel in alterzgebirgischer Form bestehend aus vier Holmen, die das Flügelrad tragen geschaffen. Es ist sieben Meter hoch und beinhaltet vier Etagen, die das dörfliche Leben und die Arbeit im Gebirge darstellen.

Auf der unteren Etage ist ein Holzschlepper mit Pferd und ein Langholzpferdefuhrwerk zu sehen.

Auf der zweiten Etage befinden sich ein Holzweibl, eine Garben tragende Bäuerin, ein Wandersmann und eine Schwammegieherin (Pilzsammlerin).

Die dritte Etage beinhaltet eine Klöppelfrau und einen Bergmann in Habit (Festtagskleidung) und Arbeitskleidung mit Erzlore, in Anlehnung an den alten Zinn- und Raseneisenerzbergbau um Wildenthal.

Und auf der vierten Etage sehen wir eine tanzende Frau und einen Ziehkästl (Ziehharmonika) spielenden Mann, der wohl ein Lied vom Heimatdichter und Mundartsprecher Stephan Dietrich (Saafnlob) spielt.

Die Wildenthaler Pyramide ist eine der wenigen im Erzgebirge, deren Figuren auch im Sommer stehen bleiben, ihr gestalterisches Ensemble wir also das ganze Jahr über bewundern können.

         

In den 1960er Jahren entstand auch das Modell eines Hammerwerkes am Grüner Graben, einen alten Kunstgraben und Sachzeugen der Bergbau- und Hammerwerksgeschichte. Es stand bis 1972 im Park und fand damals besonders bei den Kindern viel Anklang. Leider wurde es durch das damalige Hochwasser hinweggespült. Nicht aber die Idee für ein neues. Und so wurde zum Hammerfest 2007 das neue Modell am alten Platz festlich eingeweiht. Heute treibt es in Anlehnung an die zwei alten Hammerwerke von Wildenthal zwei Hämmer an und ist gleich neben dem Spielplatz gelegen wieder ein echter Magnet, nicht nur für Kinder.

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen des Berggasthofes auf dem Auersberg wurde am 19. Mai 2007 auf Initiative des Wildenthaler Heimatvereins im Park Wildenthal auch ein Jubiläumsstein mit Gedenktafel enthüllt.

Zahlreiche Erzgebirgsfreunde, unter ihnen die Enkelin unseres Saafnlobs, Cornelia Dietrich, waren gekommen.

Die Mitglieder des Heimatvereins und die Kameraden der Ortsfeuerwehr Wildenthal gaben dem allen einen würdigen Rahmen.

Einige Tage vorher war bereits eine Weißtanne gepflanzt worden, in Anlehnung an die alte Riesentanne am Ellbogenweg, die bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts über 400 Jahre auf das liebliche Tal herabblickte.

 

„Möge die neue, die junge Tanne auch in den nächsten 400 Jahren das weitere erfolgreiche Gedeihen unseres staatlich anerkannten Erholungsorts verfolgen“, sagte Ortsvorsteher Hans-Jürgen Graf.

 

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